Europawahl 2019

Am 26. Mai wird das Europäische Parlament neu gewählt. Hier finden Kirchengemeinden Anregungen zur Europawahl.

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Bild: Die Bündnispartner von "Niedersachsen für Europa". Foto: Johannes Neukirch

Bündnis aus Politik und Gesellschaft startet Europa-Initiative


Hannover. Ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Politik, Kirchen, Unternehmern und Gewerkschaften in Niedersachsen hat am Montag eine Initiative für ein geeintes Europa gestartet. "In einer Situation, wo man deutlich merkt, dass Europa Gegenwind hat, wollen wir ein Signal in eine ganz andere Richtung setzen", sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum Auftakt in Hannover.
Nicht zuletzt wegen des beabsichtigten Austritts Großbritanniens aus der EU stehe Europa vor großen Herausforderungen. "Deshalb ist es wichtig, die Errungenschaften und Leistungen der Europäischen Union wieder stärker in die Öffentlichkeit zu bringen." Das vereinte Europa stehe für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Frieden und Wohlstand. Er hoffe, dass sich weitere Partner wie die Landjugend oder die Sportjugend dem Bündnis anschlössen, sagte Weil.
Landesbischof Ralf Meister betonte für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen: "Für Gedanken, für Träume und für den christlichen Glauben gibt es keine Grenzen." Der europäische Traum handele von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden aller europäischen Völker. Auch die Kirchen seien herausgefordert in Zeiten auseinanderstrebender Kräfte ihren Beitrag zu leisten, damit Menschen in diesem Geist zusammenblieben. Die evangelischen Kirchengemeinden wollten den Wahlsonntag zur Europawahl am 26. Mai zu einem "Europa-Sonntag" machen, kündigte Meister an. Zudem baue die hannoversche Landeskirche derzeit eine intensive Partnerschaft zu anglikanischen Diözese Leeds in Großbritannien auf.
Ziel des Bündnisses "Niedersachsen für Europa" ist es nach Angaben der Initiatoren, die Bürgerinnen und Bürger über die EU, ihre Institutionen und ihre Verdienste zu informieren. Zugleich wollen sie für die Teilnahme an der Europawahl werben. In den kommenden Monaten sind dazu Bürgerdialoge in zahlreichen Städten und Gemeinden, Hochschuldialoge und Projekttage an Schulen geplant. Am 11. Mai soll es in Hannover ein "Europafest" geben. Geplant sind auch ein Video-Wettbewerb, ein Kinderliteraturfestival, ein Europa-Preis und eine Multimediashow.
Der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer betonte, bei der europäische Idee gehe es "um nichts weniger als um die Frage Krieg oder Frieden". Der Frieden stelle sich nicht automatisch ein. "Er ist ein langer gemeinsamer Kampf um abgerungene Solidarität." Europa sei zu dem die "Frucht einer langen jüdisch-christlichen Tradition", sagte Wilmer.
Für die Unternehmerverbände Niedersachsen sagte Hauptgeschäftsführer Volker Müller, der Wohlstand in Deutschland habe seine Grundlage maßgeblich in Europa. Die Unternehmen wollten unter den Beschäftigten in den Betrieben dafür werben, an der Europawahl teilzunehmen. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund betonte der niedersächsische Bezirksvorsitzende Mehrdad Payandeh: "Es lohnt sich, wieder aufzustehen für ein gerechtes, soziales, demokratisches und friedliches Europa."
Niedersachsen Europaministerin Birgit Honé unterstrich, es sei vor allen Dingen wichtig, die jungen Menschen zu erreichen. Ihnen müsse deutlich werden, dass vermeintliche Selbstverständlichkeiten hart erkämpft worden seien. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann wies darauf hin, dass rund 61 Prozent des niedersächsischen Außenhandels auf Länder der EU entfielen: "Europa ist nicht irgendetwas, Europa ist unsere Zukunft."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen, 21.1.2019
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Wahlaufruf von Landesbischof Ralf Meister

Im Januar 2019 veröffentlicht Landesbischof Ralf Meister diesen Wahlaufruf zur Europawahl:  
„Kommt in mein Haus und bleibt da!“
Warum Europa uns als Christinnen und Christen braucht

Vor kurzem habe ich eine Lehrstunde bekommen über das Geschenk des Friedens in Europa: Zum 100. Jubiläum des Waffenstillstandes, der den 1. Weltkrieg beendete, durfte ich in England in der Kathedrale von Ripon predigen. Vom Altar hing wie ein Parament der Union Jack, die Fahne Großbritanniens. Viele Soldaten in Uniform. Keine Heldenverehrung, aber ein Pathos, das mich überraschte. Dass ich als Deutscher in dieser Atmosphäre predigen durfte, hat mich tief bewegt. 

Seit fast 74 Jahren leben wir in Frieden mit unseren Nachbarn. Diesen Frieden zu bewahren ist die wichtigste Aufgabe der Europäischen Union. Sie ist, wie es der deutsche Schriftsteller Navid Kermani auf den Punkt bringt, „das politisch Wertvollste, was sich auf diesem Kontinent durch Kriege und Völkermorde hindurch herausgebildet hat“. 

Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu groß, um sie alleine, hinter nationalen Schranken zu bewältigen: Überall in der Welt werden neue Mauern errichtet. Auch in Europa sind sich längst nicht mehr alle einig, dass Menschenrechte und Demokratie unsere größten Errungenschaften sind. Millionen Verzweifelte weltweit verlassen ihre Heimat auf der Suche nach Sicherheit und Wohlstand. Und wenn wir die Erwärmung unseres Planeten nicht gemeinsam stoppen, wird nichts mehr so sein, wie wir es kennen. Damit wir diesen Herausforderungen gemeinsam gewachsen sind, müssen wir Europa stärker, demokratischer, solidarischer machen. 

In der Bibel beschreibt die Apostelgeschichte, wie das Christentum nach Europa kam: Es war eine Purpurhändlerin namens Lydia, die Paulus in Philippi im heutigen Griechenland zuhörte und die Missionare spontan einlud: „Kommt in mein Haus und bleibt da!“ Seitdem sind Europa und der Glaube an Jesus Christus untrennbar miteinander verbunden. Wechselseitig haben sie sich ganz entscheidend geprägt - und sie tun das weiterhin. 

Wenn in unserer Landeskirche kulturgeschichtliche Schätze erhalten werden, Kirchen und Gemeinderäume zukunftsorientiert saniert, Bildungsangebote und Treffpunkte geschaffen werden, dann kann das oft nur mit Unterstützung von EU-Mitteln umgesetzt werden. 12,8 Millionen Euro erhielten Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche in der vergangenen EU-Förderperiode. Zählt man die EU-Mittel für kirchliche Bildungseinrichtungen, die Diakonien und andere kirchennahe Einrichtungen dazu, kommt man sogar auf 36,2 Millionen Euro. 

Am 26. Mai 2019 haben wir alle die Chance, Europa noch besser zu machen. Ich bitte Sie herzlich: Gehen Sie zur Wahl des EU-Parlaments und geben Sie Ihre Stimme einer Partei, die Europa zu stärken verspricht. 

Ihr Ralf Meister 

Referentin in der Bischofskanzlei 
annedore.beelte-altwig@evlka.de 
0511-56 35 83 17